Vom Glück des Nichtstuns
Es ist kurz nach 10 Uhr vormittags in Bayern. Der Sohn liegt mit Kopfhörern und seiner Nintendo Switch halb schief auf der Sofaecke. Der Mann, der sonst in den Ferien in den Sonnenaufgang joggt, sitzt ungejoggt im grauen Ohrensessel, und lauscht abwechselnd dem Ticken der batteriebetriebenen Wanduhr und dem Brodeln der Kaffeemaschine, während ich mit zerzauster Bettfrisur in die Wohnstube tapse. Niemand von uns ist angezogen, jeder trägt noch seine Schlafbekleidung, oder das, was man halt so trägt, wenn es tagsüber um die 30 Grad hat und nachts circa 25 Grad im Schlafzimmer. Lassen Sie Ihrer Phantasie ruhig freien Lauf, eines der Bilder, die jetzt in Ihrem Kopf auftauchen, wird schon passen. 10 Uhr vormittags! Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal so lange geschlafen habe. Wahrscheinlich als Teenager. Und was soll ich sagen:
Das Gefühl zeitlos zu sein, ist großartig!
Und scheinbar haben wir alle in diesem Urlaub Lust auf Muße, denn niemand sagt: “Oh mein Gott, es ist schon zehn Uhr, draußen ist das schönste Sommerwetter, und wir vertrödeln hier die kostbare freie Zeit in der Ferienwohnung”.
Der Mut, sich treiben zu lassen
Wir wollten diesmal unbedingt einen ganz stressfreien Urlaub: Keine exotischen Reiseziele, sondern ein Dorf in Bayern, das ich schon seit meiner Kindheit kenne, fast schon zweite Heimat. Eine Ferienwohnung, in der wir sonst auch unseren Winterurlaub verbringen, mit einem eigenen Balkon mit Blick auf die Berge, und mit einer Spülmaschine. Eine eigene Spülmaschine ist wichtig, ja, sogar essentiell für einen stressfreien Urlaub, denn sonst geht gleich morgens das Gemeckere darüber los, wer mit Spülen dran ist. Eine Spülmaschine für den Seelenfrieden, sozusagen. Und der war uns diesmal besonders wichtig. Drei Wochen ohne Stress, ohne Zwang, ohne konkrete Pläne. Der Mann und ich, wir sind beide Selbstständig, da erlebt man täglich Stress und Druck und kommt ohne genaue Planung und Selbstdisziplin nicht weit.
Wir wollten, nein, wir brauchten unbedingt eine Zeit der Ruhe, ohne jeden Zeitdruck. Wir wollten einfach in uns horchen und nachspüren: Was würde mir, was würde uns jetzt guttun?
Die Antwort ist ganz einfach: Natur tut gut! Bei 30 Grad beschränkte sich unsere Wanderlust auf Kurzstrecken mit Wasser als Ziel: Ein kleiner versteckter Bergsee, eine Klamm mit einem helltürkisenen, rauschenden Gebirgsbach, oder ein Ausflug an die Isar – das Ergebnis sehen Sie hier. Für dieses Fotoshooting standen wir übrigens ausnahmsweise extra früh auf, damit das Wasser auch wirklich EISKALT ist, wenn ich im langen Kleid durch die Isar wate. Ich hoffe, Sie wissen das zu würdigen …
Eine Pause des Geistes
Drei Wochen Urlaub. Ganz schön dekadent, werden Sie jetzt vielleicht sagen. Aber ganz ehrlich: Zu Beginn der zweiten Urlaubswoche denke ich sonst bereits daran, dass wir Ende der Woche wieder abreisen müssen. Als nächstes fällt mir dann ein, welche Urlaubsaktivitäten wir noch nicht “abgearbeitet” haben, und dann kommt das ungute Gefühl in der Magengegend. Dieses Gefühl, jetzt noch unbedingt ganz viel aus diesem Urlaub herausholen zu müssen. Ganz viele besondere Erlebnisse, von denen ich dann im Alltag zehren kann. So hatte ich dann gegen Ende des Urlaubs vielleicht ganz viele besondere Erlebnisse gehabt, aber erholt war ich nicht. Und das wollten wir diesmal unbedingt: Eine Pause des Geistes, denn niemand kann ununterbrochen kreativ sein. “Aber was, wenn in den drei Wochen deine Leser abspringen?” Dann springen sie eben ab. Das muss ich aushalten. Und sie werden wiederkommen, wenn ihr Urlaub beendet ist. Wer sollte sie sonst ermutigen, sich auch mal treiben zu lassen, frei nach dem Motto: Fuck Perfektionismus!
Vom Glück des Nichtstuns zurück an den Schreibtisch
Und so bin ich nach drei Wochen Nichtstun tiefenentspannt zurück am Schreibtisch. Der Geist pausierte nämlich nicht die vollen drei Wochen, ab und zu ploppte eine neue Idee in mir auf, die dann ganz schnell in mein kleines blaues Büchlein wanderte. Einiges davon stelle ich demnächst hier auf Life40up vor, und hoffe, Sie sind genau so angetan davon, wie ich. In diesem Sinne: Schön, dass Sie wieder hier sind!
Hatten Sie im Urlaub auch Lust auf Muße? Erzählen Sie doch mal!
Willkommen zurück, liebe Valerie! Drei Wochen – das habe ich mich noch nie “getraut”, seit ich selbständig bin…
Liebe Uschi, das kann ich gut nachvollziehen. Aber manchmal muss man einfach Prioritäten setzen. Ein leerer Akku lädt sich nicht komplett wieder auf, wenn man nach der Hälfte der Ladezeit den Stecker zieht. Es war ein Versuchsballon, und was soll ich sagen: Alle in der Familie sind der Meinung, dass man einmal im Jahr 3 Wochen Urlaub machen sollte. Die Zugriffszahlen im Blog haben nicht gelitten, und mein Akku hält jetzt wieder mindestens bis Weihnachten. 😉
Drei Wochen wären der Hammer! *-* Ich konnte mir “nur” zwei Wochen freischaufeln. Nach den ersten 8 Urlaubstagen war ich im Ferienrhythmus drin und begann so richtig abzuschalten. Aber auch über eine weitere freie Woche hätte ich mich nicht beklagt 😉
Ganz genau, liebe Tamara. Nach zwei Wochen ist man gerade so richtig im Ferienrhythmus drin und muss dann wieder nach Hause. Die 3. zusätzliche Woche hat bei mir dann die Tiefenentspannung gebracht. 🙂